Ein Tragus-Piercing sitzt in dem kleinen Knorpelläppchen direkt vor deinem Ohrkanal.
Wer sich das stechen lassen kann
Die meisten Menschen können das, rein anatomisch gesehen. Das Läppchen muss nur groß genug sein, um Schmuck sicher zu tragen. Ist es zu klein, setzen manche Piercerinnen das Piercing weiter nach innen, Richtung Gesicht – aber das bringt echte Probleme mit sich: Probleme beim Kauen, Migration, übermäßige Schwellung, sichtbare Narbenbildung, und ein Schmuckverschluss, der am Ende zu weit im Ohrkanal sitzt, was schnell nervig wird. Genau deshalb solltest du dir vor der Buchung das Portfolio und die Bewertungen deiner Piercerin genau anschauen.
Was beim Stechen tatsächlich passiert
Es gibt ein paar Möglichkeiten, ein Tragus zu stechen. Manche Piercerinnen stechen von innen nach außen, mit einer gebogenen Nadel und Fingerdruck als Gegenhalt. Die meisten stechen von außen nach innen, mit einem Werkzeug als Gegendruck. So oder so spürst du etwas Druck, einen kurzen Piks, und dann ist es schon vorbei.
Es gibt außerdem die Klammer-Technik, bei der die Piercerin eine Klemme benutzt, um den Tragus festzuhalten. Klemmen sind nicht grundsätzlich falsch, aber ich bin kein Fan davon – sie verändern oft die natürliche Position des Tragus, was zu einem Piercing führen kann, das zu flach oder zu tief sitzt, und sie sorgen für zusätzliches Trauma und Schwellung an einem Gewebe, das ohnehin schon klein und empfindlich ist.
Schmerzlevel
Bei einer erfahrenen Piercerin tut ein Tragus nicht besonders weh. Die meisten meiner Kundinnen bewerten es mit etwa 4 von 10.
Heilungsdauer
Frische Tragus-Piercings bekommen etwas längeren Schmuck, damit Platz für die Schwellung bleibt. Nach ungefähr 8 Wochen ist dein Piercing normalerweise bereit fürs Downsizen – das heißt nicht, dass es verheilt ist, sondern dass du in die dritte Heilungsphase übergegangen bist. Es sind noch Monate zu gehen, also bleib bei der Pflege dran. Bei unserem Klima hier in Belgien braucht ein Tragus-Piercing im Schnitt etwa 6 Monate, um vollständig zu heilen.
Pflege
Genauso wie bei jedem anderen Knorpelpiercing. Spül einmal am Tag mit fließendem Wasser – die Dusche reicht völlig – um vorhandene Kruste aufzuweichen und wegzuspülen. Benutze zweimal am Tag sterile Kochsalzlösung wie NeilMed. Halte es trocken.
Wattestäbchen würde ich für die tägliche Reinigung nicht empfehlen, aber wenn du eine hartnäckige Kruste hast, die sich nicht lösen will, spül sie erst ab und benutze dann ein Wattestäbchen mit etwas Kochsalzlösung, um sie vorsichtig zu lockern.
Vermeide jeglichen Druck während der Heilung – nicht draufschlafen, keine In-Ear-Kopfhörer oder Kopfhörer über dem Ohr. Sei auch vorsichtig mit Make-up: loses Puder oder Foundation kann in die offene Wunde geraten und in der frühen Phase Reizungen oder Infektionen verursachen.
Passt das wirklich zu deinem Alltag?
Bei diesem Piercing würde ich zweimal überlegen, wenn eins davon auf dich zutrifft:
- Du bist Ärztin und benutzt regelmäßig ein Stethoskop
- Du boxt oder machst eine Sportart mit Kopfschutz oder wiederholtem Druck auf diesen Teil des Ohrs
- Du schläfst mit In-Ear-Kopfhörern und würdest wirklich Probleme damit haben, mehrere Monate ohne auszukommen.

Mythen vs. Realität
Ich habe schon Behauptungen gehört, dass ein Tragus-Piercing Migräne heilen, Hunger reduzieren oder beim Abnehmen helfen kann. Nichts davon stimmt. Piercings sind Schmuck – ein Ausdruck von Stil, Identität oder einfach etwas, das du schön findest. Sie heilen nichts.
Ein weiterer Mythos: dass ein Tragus-Piercing dich taub machen kann. Bei einer richtig ausgebildeten Piercerin, die hochwertigen Schmuck verwendet, bist du in sicheren Händen. Es gibt keinen Mechanismus, über den dieses Piercing dein Gehör beeinflussen könnte.
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